Tages-Anzeiger // Immer weniger Jugendliche wollen eine handwerkliche Lehre machen. Anders der 20-jährige János Zsindely. Der Schreinerlehrling erzählt, wieso ihn der Beruf von Anfang an faszinierte.
Einfach schnell ein Bild aufhängen, ein Möbelstück anpassen, oder gar etwas ganz Neues erbauen: Als sich János Zsindely in der Sekundarschule mit der Berufswahl beschäftigte, war für ihn schnell klar, dass er Schreiner werden möchte. «Das hatte einen ganz einfachen Grund: Mein Vater ist total unbegabt, was alles Handwerkliche angeht», erzählt er und lacht herzlich. «Ich fand, das müsste doch besser gehen, und interessierte mich für alles, was ich im Werkunterricht lernte.» Die Arbeit mit dem Material Holz gefiel ihm am besten, so dass er sich für eine Lehre als Schreiner bei der Schreinerei Romer Wagner in Elsau bewarb.
«Ich habe eine einzige Bewerbung geschrieben», erinnert sich der 20-jährige und meint: «Da war wohl auch etwas Glück dabei. Die Chemie mit dem Chef und Lehrmeister Michel Romer hat gleich super gestimmt.» Er hat sich damals einzig noch überlegt, ob er allenfalls lieber etwas im sozialen Bereich machen möchte. «Ich hatte aber einen etwas schwierigen Schnuppertag als Pfleger in einer Psychiatrie. Das hat mich damals etwas überfordert», erinnert er sich und ist nach wie vor glücklich mit seiner Entscheidung für das Handwerk. Dabei fühlt er sich auch von seinen Eltern unterstützt. «Meine Eltern sind beide Akademiker. Aber es war eigentlich immer klar, dass das Gymi eher nichts für mich ist. Da habe ich überhaupt keinen Druck gespürt», so Zsindely.
Argwohn der Eltern
Dass das nicht selbstverständlich ist, weiss Lehrmeister Michel Romer: «Das Elternhaus spielt eine grosse Rolle, wenn Jugendliche sich für einen Beruf entscheiden. Viele Eltern sind von handwerklichen Berufen nicht begeistert.» Das spüre er etwa bei Elterngesprächen mit Schnupperlernenden heraus. Diesen Argwohn der handwerklichen Berufslehre gegenüber habe der Berufsverband auch an der Anzahl Bewerbungen auf Lehrstellen bemerkt. Es habe Jahre gegeben, wo es schwierig gewesen sei, die Lehrstellen zu besetzen.
Der Berufsverband habe aber rechtzeitig reagiert, weiss Romer. Er habe den Eindruck, der Schreinerberuf sei bei den Jungen wieder auf dem Radar. «Die Arbeit mit dem nachhaltigen Baustoff Holz, die Fertigkeit etwas Schönes selber kreieren zu können und Bleibendes zu erschaffen: das sind Gründe, dass der Schreinerberuf wieder beliebter und bekannter ist.» Romer selber engagiert sich beim Berufsverband in der Lehrlingsausbildung und bildet in seinem Betrieb immer zwischen zwei und vier Lernende aus. «Klar bedeuten die Lernenden auch einen Aufwand für einen Betrieb», sagt Romer. Er betont aber: «Wir investieren damit ja in die Zukunft unseres Berufs, und die Arbeit mit den Jugendlichen bereichert unseren Arbeitsalltag auch.»
Vielseitige Aufgaben
Zsindely wiederum gefällt die Arbeit als Schreiner im nunmehr vierten und letzten Lehrjahr in ihrer ganzen Bandbreite: «Ich arbeite gerne in der Werkstatt und auf dem Bau, plane gerne und freue mich auch darauf, dass ich in diesem Lehrjahr noch mehr direkt mit den Kunden zu tun habe.» Besonders gut gefällt ihm auch die Betriebsgrösse: «Es ist sehr familiär hier in Elsau. Und trotzdem sind wir gross genug, dass wir moderne Maschinen in der Werkstatt haben, wie etwa die computergesteuerte CNC-Maschine.» Etwas überrascht hat ihn, wie streng die Berufsschule ist: «Also es ist nicht schwierig. Es ist einfach sehr viel Stoff.»
Wohin es ihn nach der Lehre zieht, weiss Zsindely noch nicht genau. Er möchte gerne auf dem Beruf weiterarbeiten, vielleicht noch eine Weiterbildung machen. Eine eigene Schreinerei zu führen, findet er zwar verlockend, er weiss aber auch: «Bei meinem Chef sehe ich, dass das mega streng ist. Da bleibe ich gerne noch etwas Angestellter.» Dabei kann er sich auf das konzentrieren, was ihn am Anfang zu dem Beruf hingezogen hat: «Es macht Freude und erfüllt mich mit Stolz, etwas mit den eigenen Händen zu erschaffen.»
Erschienen am 27. Januar 2021 in der Beilage Bildung 1 im Tages-Anzeiger.
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