Tages-Anzeiger // Martina Strähl rennt, seit sie ein Kind war. Die Schweizer Marathonläuferin erzählt, weshalb sich beim Rennsport Entspannung und Ehrgeiz nicht ausschliessen. Und wie sie auch nach über zwanzig Jahren im Spitzensport motiviert bleibt.
Der Ausdauersport liegt ihr, das hat Martina Strähl schnell gemerkt. Schon als Kind entdeckte sie das Laufen als eine Leidenschaft. Im Leichtathletik-Training, in der Jugendriege, im Geräteturnen hat sie viele Sportarten ausprobiert und ist immer wieder zum Rennen, zum Langstreckenlaufen, zurückgekehrt und hat sich schliesslich darauf konzentriert. «Dabei fühle ich mich frei», erzählt die 33-Jährige. Heute gehört Strähl zu den 42 «Swiss Starters», den Spitzenathletinnen und -athleten des Schweizer Leichtathletikverbandes.
«2018 war wohl mein erfolgreichstes Jahr», erzählt sie. Damals hat sie an der Leichtathletik Europameisterschaft in Berlin den 7. Platz im Marathon belegt, mit ihrer persönlichen Bestzeit von 2:28:07. Strähl kommt aus einer aktiven, sportlichen Familie. Mit ihren beiden Brüdern und den Eltern war sie viel draussen, ist gewandert, hat Bergwelten erkundet. Die Berge hat sie denn auch zu ihrer Spezialität gemacht und sich als Bergläuferin einen Namen erworben. «Berglauf ist etwas ganz anderes als ein Marathon in der Stadt», sagt Strähl, die heute in Horriwil lebt und in der Leichtathletikvereinigung Langenthal trainiert. «Man braucht ganz andere Muskeln, ist länger unterwegs und langsamer.» Auch sind die Zeiten praktisch nicht vergleichbar. «Jedes Bergrennen ist etwas anderes.» 2015 wurde Strähl am Zermatt-Marathon Weltmeisterin im Berglauf Langdistanz.
Marathon als neue Herausforderung
Nach über zehn Jahren als Bergläuferin fokussiert Strähl aber heute auf den klassischen Marathon. «Ich habe eine neue Herausforderung gesucht, mein langjähriger Trainer Fritz Häni hat mich zum Strassenmarathon bewogen. Dort sehe ich bei mir noch Steigerungspotenzial.» Ein Ultratraillauf in den Bergen hingegen, der bis zu 100 Kilometer lang sein kann, reizte sie bislang noch nicht. «Ich renne gerne aufwärts. Aber abwärts über Steine zu springen, ist nicht so meines. Aber wer weiss, vielleicht möchte ich in ein paar Jahren nochmals etwas Neues probieren.» Ihr nächstes Ziel sind die Olympischen Ziele in Paris 2024. «Und irgendwann den New York Marathon zu rennen. Auch weil ich noch nie in New York war», ergänzt sie mit einem Lachen.
Strähl beschreibt sich als ehrgeizig: «Ich will mich mit anderen messen, ich will mich an mir selber messen und immer etwas besser werden.» Gleichzeitig schätzt sie am Laufsport aber auch, dass er ihr erlaubt, abzuschalten und sich zu entspannen. «Während dem Rennen komme ich in einen mentalen Flow. Und nach dem Rennen folgt die Entspannung des Körpers.» Das sei das Spannende am Rennsport. Dass Entspannung und Wettkampf, Ehrgeiz und Flow so nahe beieinander liegen.
Ausgleich als Heilpädagogin
Den Ausgleich zum Sport findet Strähl in ihrer Anstellung als Heilpädagogin. Sie schätzt die Abwechslung, die ihr die beiden Welten bieten. Und räumt auch ein, dass es manchmal schon streng sei. «Wenn ich um fünf Uhr aufstehe, um sechs Uhr einen Trainingslauf starte, um dann pünktlich um acht in der Schule zu sein, und in der Mittagspause noch ein zweites Training mache, ist das schon hart. Aber ich liebe meine Arbeit mit den Kindern und das Laufen beides so sehr, dass es machbar ist.»
Wie bleibt man denn über all die Jahre so motiviert? «Mir hilft es, ein Ziel zu haben», erzählt Strähl und empfiehlt dies auch jedem Laufeinsteiger. «Etwas, an dem ich mich messen kann, das aber auch erreichbar ist.» Fortschritte aufzuschreiben, rät sie zudem jedem, der sich an den Rennsport wagt. Und sich für Erfolge, auch kleine, zu belohnen. Am wichtigsten sei aber, Spass am Laufen zu haben. «Auch ich habe Tage, an denen ich nicht so mag. Aber zu 95 Prozent macht mir das Training einfach immer noch mega Freude.»
Erschienen am 27. März 2021 in der Beilage Laufnews des Tages-Anzeigers.
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