Pro Juventute Magazin // P.S. hat als Primarschülerin bei 147, der Notrufnummer von Pro Juventute, Hilfe gesucht. Im Interview erzählt sie, wie ihr die Beratung geholfen hat und wieso solche Angebote wichtig sind.
Du hast dich als 9-Jährige bei der 147 gemeldet. Wieso?
P.S.: Ich wurde in der Schule von meiner besten Freundin gemobbt. An machen Tagen war sie supernett zu mir, dann wieder eiskalt und hat alle gegen mich aufgewiegelt. Ich wusste nicht, wie ich mit dieser Situation umgehen sollte. Deshalb habe ich der Hilfe & Beratung 147 eine Mail geschrieben. GEkannt habe ich 147 durch ein Inserat in einem Kindermagazin.
Wieso eine Mail? Man kann die Notrufnummer 147 ja auch anrufen.
Ich fühle mich sicherer, wenn ich mich schriftlich ausdrücken kann. Dann habe ich Zeit, mir zu überlegen, wie ich etwas sagen möchte. Und der Kontakt per Mail war noch etwas anonymer. Denn ich hatte Angst, dass man mir sagt, mein Problem sei nicht wichtig genug.
Wie war die Reaktion auf deine Mail?
Schon einen Tag später erhielt ich eine Antwort. Und die half mir so sehr! Die Beraterin nahm mich ernst, sagte mir, dass meine Gefühle berechtigt seien, und gab mir Tipps, wie ich mich verhalten könne. Das Wichtigste war für mich aber, dass mir zugehört wurde. Die Situation mit dieser Freundin hat sich noch einige Jahre hingezogen. Dank der Hilfe von der 147 konnte ich mir aber immer wieder bewusst machen, dass das Verhalten dieser Freundin nicht fair ist und es nicht meine Schuld ist.
Was rätst du Jugendlichen, die in einer ähnlichen Situation sind?
Sie sollen sich unbedingt bei der 147 melden! Klar, es braucht Mut! Aber man hat nichts zu verlieren. Es ist ja komplett vertraulich und die Beratenden sind da, um zu helfen, nicht um jemanden auszulachen. Und man sollte nie denken, dass die eigenen Probleme nicht wichtig genug für 147 wären.
Was wünschst du dir von der Gesellschaft, um Kindern und Jugendlichen mit psychischen Problemen besser zu helfen?
Dass man Probleme nicht totschweigt. Kinder und Jugendliche haben häufig das Gefühl, ihre Sorgen seien zu wenig schlimm, um sich Hilfe zu holen. Gleichzeitig entsteht oft Druck von Erwachsenen, sobald man sich doch Hilfe sucht. Es wird erwartet, sofort an einer Lösung zu arbeiten. Dabei wäre es viel wichtiger, erst einmal einfach zuzuhören und Raum für Gefühle zu schaffen.
Du bist inzwischen 19 Jahre alt. Hast du heute noch eine Verbindung zu Pro Juventute?
Ich darf hin und wieder von meinen Erfahrungen berichten, und so auf die Wichtigkeit dieses Angebotes aufmerksam machen. Das finde ich sehr schön und auch sehr wichtig. Denn noch immer kennen zu wenige Kinder und Jugendliche die Hilfsangebote von Pro Juventute – dabei sind sie so wertvoll!
Erschienen im Mai 2025 im Pro-Juventute-Magazin «Futura« 1/2025.
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