Das eigene Denken hinterfragen – Bericht über einen Medienworkshop für Jugendliche

Ein Bericht über den Workshop „Schwimmen lernen in der Informationsflut“ für den Tages-Anzeiger.

Medienbildung – Wie erkennt man FakeNews? Was ist eine seriöse Nachricht? Wem soll ich
was glauben? Täglich werden Schülerinnen und Schüler mit einer Flut an Informationen konfrontiert. Ein Workshop der Stiftung «Wissen für alle» soll zeigen, wie sie diese einordnen können
.

News-Apps, Social Media, Push-Notifications: Im Alltag sind Jugendliche heutzutage aufgrund des Smartphones einer ständigen Informationsberieselung ausgesetzt. Klassische Medien versuchen ihre Terrains zu verteidigen, während neue Medien ihre Leserschaft aufbauen und auf den Sozialen Medien jeder zu jedem Thema etwas sagen kann. Wie behält man da den Überblick? Wie unterscheidet man zwischen Nachricht und Meinung? Wie wägt man verschiedene Ansichten gegeneinander ab?

Bei diesen Fragen setzt ein neuer Workshop für Schülerinnen und Schüler an. «Schwimmen lernen in der Informationsflut» heisst die Schulung, die von Karin Landolt ins Leben gerufen wurde. Landolt ist Stiftungsrätin bei der Stiftung «Wissen für alle» und blickt auf eine langjährige Erfahrung im Journalismus sowie im Kommunikationsbereich zurück. «Wir wollen Schülerinnen und Schülern eine Auseinandersetzung mit der komplexen Medienwelt ermöglichen», erklärt Landolt das Ziel des Projekts. Dies könne im regulären Unterricht oft zu wenig integriert werden. «Das ist überhaupt nicht als Vorwurf an die Lehrerschaft zu verstehen, diese erkennen den Wert und die Wichtigkeit der Medi- enbildung sehr wohl. Aber viele haben bereits mehr als genug zu tun», präzisiert Landolt. Vielmehr sei das Angebot deshalb als Entlastung und Ergänzung zu verstehen und zu nutzen.

Ein Beitrag für die Demokratie

Der Workshop richtet sich an Schülerinnen und Schüler ab der ersten Oberstufe und ist für Sekundarschule, Berufsschule, Gymnasium und Erwachsenenbildung gleichermassen geeignet. Er ist vorerst in drei Blöcke gegliedert, die auch einzeln durchgeführt werden können. Das Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög) der Universität Zürich geht in einem ersten Teil auf die Bedeutung der Informationsmedien für die Demokratie ein und gibt einen Überblick über die Medienlandschaft der Schweiz. Es geht um den eigenen Medienkonsum, Gratismedien, Social Media und das Thema Reizüberflutung. Der Verein Fairmedia setzt sich in einem zweiten Block mit dem berüchtigten «Shitstorm» auseinander und behandelt, welche Spielregeln faire Berichterstattung ausmachen und was es für betroffene Personen bedeuten kann, wenn diese Spielregeln verletzt werden. Das Zentrum für kritisches Denken (ZfkD) schliesst mit einem Block zum kritischen Hinterfragen des eigenen Denkens. Welche Vorurteile haben wir? Wie entstehen unsere Meinungen? Wie setzen sich Unwahrheiten in unserem Denken fest?

Die Stiftung verstehe den Workshop auch als einen Beitrag für die Demokratie, wie Landolt ausführt. Die Schülerinnen und Schüler werden ermächtigt, sich als mündige Bürger zu informieren und dadurch im demokratischen Prozess fundierte Entscheide fällen zu können. «Es geht nicht darum, den Jugendlichen eine richtige Meinung einzutrichtern. Sondern ihnen zu zeigen, dass Informationen nicht automatisch den Tatsachen entsprechen und wie sie Falschinformationen erkennen und hinterfragen können.»

Positive Resonanz

Diverse Schulen haben sich bereits an- gemeldet und Landolt kann sich vorstellen, das Projekt künftig noch auszuweiten. «Beispielsweise durch einen weiteren Workshop-Block, der gezielt Medien und Politik oder Wissenschaftsjournalismus behandelt. Oder indem wir einen Workshop speziell für Lehrpersonen anbieten.»

Ein Test-Workshop wurde im November 2020 an der Kantonsschule Trogen durchgeführt. Die Rückmeldungen der Schülerinnen und Schüler waren überwiegend positiv. «Ich werde in Zukunft meinen Medienkonsum bewusster beurteilen und vielleicht ändern», schrieb jemand in der anschliessenden anonymen Auswertung. Und jemand anderes meinte gar: «Ich finde es wichtig, dass unser ganzer Jahrgang einen solchen Workshop hätte. Ich denke, das würde Grosses bewirken.»

Veröffentlicht im Mai 2021 in der Bildungsbeilage des Tages-Anzeigers .


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