«Tokio hat etwas Melancholisches» – Porträt des Songwriters Nat Schedler

Porträt des Elgger Singer/Songwriters Nat Schedler im Hinblick auf seinen Auftritt am Sternen Open-Air für den Winterthurer Landbote.

Der Elgger Nat Schedler startet mit seiner neuen EP «New York Tokyo» durch. Bereits werden seine Songs in diversen Radios gespielt. Am Samstag tritt er am Sternen-Open-Air auf.

Den Blockflötenunterricht hat er nicht absolviert, auch andere Instrumente haben ihn als Kind nicht gross interessiert. Nat Schedler ist eigentlich relativ spät zur Musik gekommen. Erst mit 15 Jahren hat er zum ersten Mal eine Gitarre in die Hand genommen und sich das Spielen autodidaktisch beigebracht, zwei Jahre später hat er zudem mit Klavierunterricht begonnen. Heute, rund sechs Jahre später, ist der 21-jährige Elgger auf dem besten Wege, als Singer-Songwriter durchzustarten. Sein Song «Call Me Tonight» läuft auf SRF 3, Radio Zürisee und anderen Stationen. Und am Samstag spielt er am Sternen-Open-Air.

Zur Musik gekommen ist er über seine Familie. «Mein Vater spielt in verschiedenen Bluesund Jazzbands», erzählt Schedler. «Wahrscheinlich hat mich die Musik lange nicht interessiert, weil ich nicht das Gleiche wie mein Vater machen wollte», überlegt er heute. Schlussendlich hat es ihn dann aber doch noch gepackt. Vor zwei Jahren hatte er am Musikwettbewerb Band-it im Salzhaus seinen allerersten Auftritt überhaupt. «Ich war unglaublich nervös», erinnert er sich. «Und die Erleichterung, als ich merkte, dass die Leute leiser wurden und mir tatsächlich zuhörten, war riesig.» Es war ein Kaltstart, der sich lohnte: Schedler gewann die Vorausscheidung und wurde im anschliessenden Band-it-Finale an den Musikfestwochen gleich Zweiter. Seither ist die Musik seine Leidenschaft: Er hat sein Arbeitspensum bei einer Bank auf 80 Prozent reduziert, um für die Musik und andere kreative Projekte wie Fotografie und Kurzfilm mehr Zeit zu haben. «Die Musik hat dabei aber schon einen besonderen Stellenwert. Diesen Flow, den ich beim Musizieren erreiche, den habe ich sonst nie, das ist einzigartig.»

Inspiration für seine Musik holt sich Schedler auf seinen Reisen. «New York Tokyo» heisst sein eben veröffentlichtes Album nicht zufällig. Schedler hat in beiden Städten insgesamt vier Monate verbracht. «Grosse Städte regen meine Kreativität an. Besonders New York: Da prasseln so viele Eindrücke auf einen herein, man lernt so viele Menschen kennen, und alle haben einem etwas zu erzählen.» Diese Geschichten nimmt er auf, vermischt und vertont sie zu eigenen Erzählungen. Auch Tokio inspiriert ihn, wenn auch anders. «Wenn du alleine in Tokio ankommst, tauchst du in eine komplett fremde Welt ein. Man versteht fast nichts und ist deshalb viel mit sich alleine. Das hat etwas ganz Melancholisches», beschreibt Schedler seine Erfahrung. Musikalisch sind seine Vorbilder Bluesmusiker wie Stevie Ray Vaughan, Gary Clark Junior und John Mayer. Seine eigene Musik ist aber deutlich poplastiger, auf dem Album auch elektronischer. «Das Album ist bewusst üppiger, als wenn ich live auftrete, ich habe mich mit den Möglichkeiten im Studio etwas ausgetobt und herumexperimentiert.»

Auf der Bühne tritt Schedler solo auf oder mit dem Bassisten Fabio Wehrli. Schedler mag die intime Atmosphäre, die in diesem reduzierten Rahmen entstehen kann. «Ein gutes Lied funktioniert auch, wenn es nur geklatscht wird. Der Rest ist nur noch Spielerei.» Entsprechend ist seine liebste Konzerterinnerung jene an einen Abend im Portier auf dem Lagerplatz: «Das Café war pumpenvoll, einige meiner Kollegen konnten nicht mal mehr rein. Und die Stimmung während meines Sets war einzigartig.» Er freut sich aber auch auf grössere Bühnen und Hallen. Der Auftritt am Sternen-Open-Air wird ein erster Schritt dahin sein.

Veröffentlicht am 18.07.2018 im Landbote.


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