Traumfrau, fauchend und glitzernd – Porträt der Band Dream Wife

Bandporträt im Hinblick auf das Konzert von Dream Wife im Winterthurer Club Albani für den Winterthurer Landbote.

Dream Wife sind eigensinnig und unbequem – eine vielversprechende Indie-Band. Am Dienstag spielen die Musikerinnen aus England und Island im Albani.

Dream Wife tönen mal laut und unbequem, mal kindlich verspielt. Mal mit feinen Stimmen singend, mal laut ins Mikrofon brüllend. Mal wütend, mal humorvoll. Mal glitzernd, mal in Fetzen. Immer mit viel Gitarre. Immer energiegeladen. Immer eigensinnig. Am Dienstag spielt das britisch-isländische Frauentrio in Winterthur im Albani.

Dream Wife sind an der Kunstschule im englischen Brighton entstanden, aus einem Kunstprojekt heraus, das heute Spielwiese ist für «Meditationen über den Mut, grosse Träume zu haben, und darüber, was es heisst, eine Frau zu sein», wie es Bassistin Bella Podpadecs in einem Interview formulierte.

Von Experten gelobt

Die Band ist heute in London zu Hause, und neben Podpadecs gehören dazu die Sängerin Rakel Mjöll und die Gitarristin Alice Go. Ihr Debütalbum «Dream Wife» mit elf Songs kam im Januar 2018 heraus und wurde von der Indie-Musikpresse hochgelobt. «Verdammt, wie haben wir auf eine Band wie Dream Wife gewartet», schrieb etwa der renommierte «New Music Express». Seither spielen die drei Künstlerinnen Konzerte in einem immer grösser werdenden geografischen Radius und in immer grösseren Clubs.

Der Name Dream Wife hat die Band der gleichnamigen Romantikkomödie aus dem Jahr 1953 entnommen, einem Film aus der goldenen Ära Hollywoods mit einer überraschend feministischen Wendung. Das Thema: mehr oder etwas ganz anderes zu erhalten, als man erwartet hat. Das wollte die Band in ihrer Musik aufnehmen. Das Spielen mit Klischees und Stereotypen ist denn auch Programm bei Dream Wife. Sie thematisieren Vorstellungen, wie Frauen in der heutigen westlichen Gesellschaft zu sein haben. Was als genehm und herzig und angebracht gilt. Was nicht. Zum Beispiel im Lied «Somebody», wo sie die weibliche Selbstbestimmung über den eigenen Körper behandeln: «I am not my body. I am somebody» (Ich bin nicht mein Körper. Ich bin jemand). Eine treffsichere Botschaft, verpackt in einen eingängigen Mitsing-Hit. Oder hemmungslos im letzten Lied der Platte «F.U.U.», wo Mjöll mal schreiend, fauchend, dann wieder kühl, analytisch beschreibt, wie sie – «I am gonna fuck you up, I am gonna cut you up» – jemanden, der ihr in die Quere kam, in Stücke reissen wird.

Powerpop mit Punk-Attitüde

Dream Wife spielen aber auch mit den Stereotypen der Musik, sie brechen sie, nehmen sie auseinander, setzen sie neu zusammen, zitieren aus der Popgeschichte. Schrummelige Gitarren skizzieren Melodien, ein treibender Bass gibt den Ton, elektronische Einspielungen sorgen für Abwechslung. Das tönt nach Garage Rock und einem bisschen Grunge und glitzerndem Powerpop mit viel Punk-Attitüde. Und es erinnert an Patti Smith und Courtney Love und the Slits und auch an Avril Lavigne oder Gwen Stefanie, wegen der mädchenhaften, aber doch kräftigen Stimme. Dazu erscheint in manchen Songs eine Verträumtheit, wie man sie von anderen isländischen Bands wie of Monsters and Men kennt.

Es entstehen so kunterbunte kleine Zeichnungen von pippilangstrumpfschen Traumwelten. Solche, die bunt und flauschig in der Luft schweben. Und solche, wo mit einem knallroten Wachsstift kreuz und quer darüber gekribbelt wurde, in einem kreativen Akt der Zerstörung.

Energie und Spontaneität

Alles ist jederzeit möglich, das scheint das Motto von Dream Wife zu sein. Die Energie und die Spontaneität, mit der die Platte entstanden ist, hört man ihr an. Die Dringlichkeit und Aufbruchstimmung ist spürbar. Die Musikerinnen entfachen ein rebellisches Feuer, live noch mehr als auf Platte. Und die Musik ist bei all ihrer Unbequemheit immer auch sehr tanzbar.

Veröffentlicht am 12.11.2018 im Landbote.


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