Durch Bilder zu Emotionen

WWF Magazin // Levi Fitze ist Naturfotograf, auf Instagram begeistern seine Bilder bereits 76’000 Follower. Er erzählt, wie er Fotografie mit ethischem Handeln verbindet.

«Es hat alles gepasst, als ich das Foto des Birkenhuhns gemacht habe. Das Objektiv war nah platziert und ich war mit dem Fernauslöser weit genug weg, sodass sich das Birkhuhn nicht gestört fühlte. Und die Sonne tauchte alles in warmes Licht. Ein Foto, wie es mir nur alle paar Jahre gelingt. Umso schöner, dass es damals einen Preis im Fotowettbewerb der Schweizer Vogelwarte gewonnen hat. Er hat mir als Naturfotograf viele Türen geöffnet. Dafür bin ich sehr dankbar.

Aktuell arbeite ich an einem Filmprojekt: «Wilde Hühner» ist ein Film über die Raufusshühner und wie unsere Freizeitnutzung und der Klimawandel ihren Lebensraum verändert. Wie es diesen Vögeln geht, sagt viel über den Zustand des gesamten Ökosystems aus, in dem sie leben. Es gibt viele Daten und Fakten über den Klimawandel und das Artensterben. Mit dem Film möchte ich einen emotionalen Zugang zu diesen bisweilen abstrakten und trockenen Themen schaffen und so mehr Menschen für den Umweltschutz gewinnen.

Meine Leidenschaft für die Berge, die Natur, die Ornithologie entstand als Kind, Als ich mit meiner Mutter regelmässig Zeit auf einer Alp verbrachte. Mit zehn Jahren trat ich einer Jugendgruppe von BirdLife bei, mit zwölf begann ich, Vögel mit einer Spiegelreflexkamera zu fotografieren. Als die Berufswahl anstand, lag die Ausbildung zum Fotofachmann nahe.

Wenn ich an einem Projekt arbeite, verbringe ich etwa achtzig Prozent meiner Zeit draussen. Ich fahre dorthin, wo das Wetter spannend ausschaut und wandere los. Häufig übernachte ich in einer Alphütte oder im Biwak.

Ich teile meine Bilder auf den sozialen Medien und freue mich sehr darüber, dass sei so vielen Menschen gefallen. Aber ich bewege mich auf einem schmalen Grat: Einerseits will ich die Leute für die Natur begeistern, andererseits sollen sie nicht alle grossartigen Plätze überrennen. Deshalb schreib ich nie, wo ich Fotos aufgenommen habe.

Ich versuche, die Grundsätze ethischer Tierfotografie vorzuleben. Ich will Wildtiere nicht stören. Das ist nicht immer einfach. Steht man etwa zu nah an einem Fuchsbau, spielen die Jungen oft sorglos weiter – doch die Eltern wagen in dieser Zeit nicht zurückzukehren, weil sie Menschen scheuen. Umso wichtiger ist es, Wildtiere mit Geduld zu beobachten und sich durch gute Tarnung unauffällig in die Umgebung einzufügen.

Manchmal fällt es mir schwer, die Hoffnung nicht aufzugeben, dass wir in Zukunft Probleme wie die Klimakrise und das Artensterben in Schach halten können. Aber das ist kein Grund, es nicht trotzdem weiter zu versuchen – deshalb fotografiere ich auch in Zukunft. Wenn ich sehe, wie viele tolle Projekte überall auf der Welt umgesetzt werden und wie viele Menschen sich mit so viel Herzblut engagieren, dann bin ich optimistisch.»

Levi Fitzes (22) Bilder sind auf Instagram unter @levifitze zu finden. Sein Film «Wilde Hühner» kommt 2027 in die Kinos.

Erschienen im September 2026 im WWF-Magazin 3/2026.


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